Regisseur

Gedanken vorab

Wie inszeniert man in der heutigen Zeit? Passt man sich dem Theater-Mainstream an und wird immer „moderner“, immer ausgefallener, verwirrt man das Publikum, indem man eine neue Zeichensprache erfindet, die sich das Publikum mühsam erarbeiten muss, weil man es „zum Denken anregen“ will? Oder inszeniert man lieber rein tradidionell, um das Publikum bei der Stange zu halten und sich dem Vorwurf auszusetzen, man sei „museal“?

Meine Antwort: Es kommt drauf an!

Betrachten wir ein gleichwertiges Medium – die Filmmusik.
Aus meiner Sicht ist die Filmmusik der legitime und eigentliche Nachfolger der Oper und der Programmmusik, wurden doch in der Vergangenenheit der Oper bis hin zu Richard Strauß unerklärbare oder nicht darstellbare Informationen mittels der Musik transportiert. Dazu gehören Stimmungen, Emotionen, Assoziationen oder – im Falle der Leitmotivik – Symbole.
Bedeutende Komponisten der Filmmusik haben sich dem gesamten Material der Musikgeschichte bedient. Man hört Instrumentarium und Stilistik der jeweiligen Epochen, in der die jeweilige Szene spielt und führt so den Zuschauer in die Welt, in der man ihn haben möchte. Das können mittelalterlicche oder barocke Klänge sein, aber eben auch avantgardistische wie in Alfred Hitchcocks Film „Psycho“. Selbst Klänge, die es noch gar nicht geben dürfte, weil die Szene in der Zukunft liegt, werden geschrieben.

Warum sollte sich also ein Regisseur nicht der selben Technik bedienen – gibt es doch Dramen, die sich hinsichtlich ihrer Kernaussage absolut in die heutige Zeit verlagern lassen?

Wenn ein Friedrich Schiller in seinen Werken die Schandtaten der Reichen und Mächtigen auf der Bühne metaphorisch angreift, so können wir dies in der heutigen Zeit ebenso tun – es hat sich nichts geändert. Aber bei dem Gedanken der Aktualisierung kommt man an der Frage der linguistischen Modernisierung nicht vorbei. Natürlich kann man Schillers Dramentexte in die heutige Zeit „übersetzen“, aber behalten sie dann ihre unglaubliche Kraft bei? Kann ich es schaffen ein vom Plot her völlig unwahrscheinliches Drama wie die „Räuber“ mit der selben sprachlichen Energie zu füllen, wie Schiller es tat? – Ich glaube kaum, dass ich Herrn Schiller auch nur annähernd das Wasser reichen kann!

Eine Inszenierung zu entwickeln, die den Willen und die Intention des Urhebers so weit als möglich berücksichtigt, eine Aktualität, sofern beabsichtigt, wiederspiegelt, ohne den Willen des Autors zu zerstören und die Figuren des Stückes durch die jeweiligen Darsteller zu sehen ist für mich dabei die Herausforderung. Dabei kann ich mich jeder Technik oder Theorie bedienen, die bisher bekannt ist oder auch eine neue erfinden – obgleich ich die Wahrscheinlichkeit etwas wirklich Neues zu schaffen aufgrund des bisher Dagewesenen für relaitv gering einschätze.

Grundsätzlich muss aber immer der Autor das letzte Wort haben dürfen.

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